Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2026

Am 20. September 2026 stehen in unserer Hauptstadt die Wahlen zum 20. Abgeordnetenhaus von Berlin sowie zu den Bezirksverordnetenversammlungen an.

 

Erstmals dürfen dabei auch 16- und 17-jährige Berlinerinnen und Berliner ihre Stimme abgeben. Zudem wird es, wie bereits bei der Bundestagswahl, nur noch einen Stimmzettel geben, auf dem Erst- und Zweitstimme abgegeben werden. Doch warum ist diese Wahl so wichtig? Weil hier die Zukunft unserer Hauptstadt mitgestaltet wird. Es geht um die Zusammensetzung des Berliner Parlaments, indirekt um das Amt des Regierenden Bürgermeisters, um die Frage, welche Parteien den Senat und damit die Landesregierung bilden, und nicht zuletzt darum, welche politischen Themen in den kommenden Jahren Priorität erhalten.

 

Dem Strassenfeger e.V. sind insbesondere die nachhaltige Bekämpfung und Verhinderung von Obdachlosigkeit, der soziale Wohnungsbau sowie der sinnvolle Einsatz öffentlicher Mittel für soziale Projekte wichtig. Obdachlosigkeit ist dabei nicht die Ursache, sondern häufig das sichtbare Symptom vielschichtiger gesellschaftlicher und politischer Probleme. Mit den richtigen Maßnahmen kann ihr wirksam begegnet werden. Deshalb setzen wir bei unserer Befragung einen besonderen Fokus auf diese Themen.

 

In der aktuellen Ausgabe des strassenfegerMAG (Juli/August 2026) widmen wir uns diesem Schwerpunkt. Dafür haben wir allen Parteien sowie ihren aufgestellten Kandidatinnen und Kandidaten entsprechende Fragen gestellt. Da die Antworten teilweise sehr umfangreich ausfallen, konnten wir im Magazin nur gekürzte Fassungen veröffentlichen.

 

Auf dieser Seite finden Sie die vollständigen Antworten der einzelnen Parteien und Kandidierenden.

 

Disclaimer: Für die Inhalte der Interviews der einzelnen Parteien sind ausschließlich die jeweiligen Parteien verantwortlich. Der Strassenfeger e.V. distanziert sich generell von Grund- und Menschenrechtsverletzungen sowie extremistischen Ideologien.

Lars Düsterhöft, Sprecher für Soziales, Pflege und Menschen mit Behinderungen

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation für wohnungslose Menschen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Ich glaube, man muss ehrlich sein: Die Situation ist angespannt. Die Zahl der Menschen, die auf das Berliner Hilfesystem angewiesen sind, steigt seit Jahren. Die Wohnungslosenunterkünfte sind ausgelastet, die winterliche Kältehilfe ist von einer Notlösung zur Regel geworden, die ganzjährigen Obdachloseneinrichtungen sind ebenso voll und es ist nicht leichter geworden, wieder aus der Wohnungslosigkeit herauszukommen, einfach weil bezahlbare Wohnungen fehlen und die finanziellen Probleme vieler Wohnungsloser den Zugang zum Wohnungsmarkt versperren.

Gleichzeitig haben wir in Berlin ein vergleichsweise breites Hilfesystem. Die Angebote für Obdach- und Wohnungslose in Berlin sind im Vergleich zu den Angeboten anderer deutscher Kommunen und Städte vorbildlich. Noch nie hat das Land Berlin so viel Geld zur Verfügung gestellt wie heute.

Das eigentliche Problem bleibt: Hilfen greifen oft zu spät. Viele Menschen verlieren ihre Wohnung, obwohl man das hätte verhindern können. Und viele Menschen aus anderen Teilen Deutschlands oder aus anderen Städten der Europäischen Union suchen hier in Berlin die Lösung ihrer Probleme. Hinzu kommt die Ausbeutung von Arbeitskräften aus dem europäischen Ausland, die die Obdachlosigkeit in unserer Stadt zusätzlich befördert.

Welche Bedeutung haben unterschiedliche Unterstützungsangebote (z. B. Unterbringung, Prävention, Beratung) in Ihrem Konzept?
Grundsätzlich gibt es in Berlin sehr viele sehr gute Angebote, die immer wieder ausgebaut bzw. an die Bedarfe angepasst werden müssen. Und sie müssen stärker ineinandergreifen. Beratung, Prävention, Hilfe in der akuten Not und langfristige Hilfen müssen stärker aufeinander aufbauen. Eine große Aufgabe für die kommenden Monate und Jahre ist die Reform der sogenannten 67er-Hilfen1, die endlich an die Bedarfe angepasst werden müssen. Derzeit werden bestimmte Gruppen kaum oder nur ungenügend durch 67er-Hilfen1 unterstützt.

Wenn es darum geht, die Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit wieder zu reduzieren, sehe ich aber zwei zentrale Punkte: Einerseits braucht es endlich wieder einen schnelleren Zugang zum regulären Wohnungsmarkt. Viel zu lange müssen wohnungslose Berliner*innen in sogenannten ASOG-Unterkünften2 untergebracht werden. Denn hier werden die Probleme in der Regel nicht kleiner oder gelöst. Oftmals kommen hier erst weitere Probleme und Krankheitsbilder hinzu. Die massenhafte Unterbringung verstärkt beispielsweise psychische Erkrankungen zusätzlich. Andererseits muss Berlin dafür sorgen, dass andere deutsche Kommunen und auch unsere europäischen Nachbarn endlich ihrer Verantwortung für ihre Bürgerinnen und Bürger gerecht werden und eigene Präventions- und Unterstützungsstrukturen aufbauen oder sich an der Unterbringung in Berlin finanziell beteiligen.

Wie möchten Sie auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen wohnungsloser Menschen eingehen (z. B. Frauen, junge Menschen, EU-Bürger)?
Wohnungslosigkeit ist nicht für alle gleich. Frauen brauchen besonderen Schutz, junge Menschen brauchen früh Unterstützung, damit sich nichts verfestigt, Menschen mit gesundheitlichen Problemen brauchen engere Begleitung usw. Das heißt: Wir brauchen passgenaue Angebote.

Bei EU-Bürgern sieht man sehr deutlich, wo unser System an Grenzen kommt. Viele haben keinen Zugang zu Sozialleistungen und fallen dadurch komplett durchs Raster. Deshalb sind spezialisierte Angebote so wichtig. Sie setzen da an, wo das reguläre System oft versagt: Sie bieten Beratung in der Muttersprache an, begleiten zu Ämtern, unterstützen bei Sucht oder gesundheitlichen Problemen und helfen teilweise auch bei der Rückkehr ins Herkunftsland. Viele EU-Bürger scheitern nämlich schon an Sprache, Bürokratie oder daran, dass sie ihre Rechte gar nicht kennen. Aber langfristig kann es nicht davon abhängen, ob man zufällig an so ein Projekt gerät. Wir müssen die Zugänge ins Hilfesystem insgesamt einfacher und verlässlicher machen.

Welche Ansätze sehen Sie für langfristige Wohnperspektiven für ehemals wohnungslose Menschen (z. B. Housing First, betreutes Wohnen, Tiny-Houses etc.)?
Für langfristige Wohnperspektiven gibt es nicht die eine Lösung, sondern mehrere Dinge, die zusammen funktionieren müssen.

Ein wichtiger Ansatz ist für mich Housing First. Die Erfahrung zeigt, dass das für viele gut funktioniert, weil Stabilität eben erst mit einem eigenen Zuhause entsteht. Doch derzeit krankt Housing First daran, dass die Menschen nur sehr selten ins Regelsystem der 67er-Hilfen1 überführt werden. Entweder muss Housing First ein Teil der 67er-Hilfen1 werden oder die Menschen müssen regelhaft übergeleitet werden.

Daneben braucht es aber auch betreutes Wohnen. Es gibt Menschen, die mehr Unterstützung im Alltag brauchen – zum Beispiel wegen gesundheitlicher Probleme oder nach langen Zeiten auf der Straße. Für sie ist es wichtig, dass Wohnen und Unterstützung enger miteinander verbunden sind. Ergänzend können auch Übergangslösungen eine Rolle spielen, also zum Beispiel modulare Angebote oder temporäre Wohnformen. Das kann helfen, Wartezeiten zu überbrücken oder Menschen erstmal aus sehr instabilen Situationen herauszuholen. Was man aber auch klar sagen muss: Modelle wie Tiny Houses werden zwar oft diskutiert, lösen das Problem aber nicht im großen Maßstab. Sie können im Einzelfall schon sinnvoll sein, ersetzen aber keine regulären Wohnungen.

Am Ende läuft alles auf einen Punkt hinaus: Ohne ausreichend bezahlbare Wohnungen funktionieren all diese Ansätze nicht. Für mich ist entscheidend, dass der Weg immer in eine eigene, dauerhafte Wohnung führt – und nicht in einer Zwischenlösung stehen bleibt.

Welche finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen halten Sie dafür für notwendig?
Damit diese Ansätze wirklich funktionieren, braucht es vor allem Verlässlichkeit – finanziell und strukturell. Finanziell heißt das: Projekte dürfen nicht jedes Jahr um ihre Mittel kämpfen müssen. Träger brauchen langfristige Finanzierung, damit sie Personal halten und Angebote stabil aufbauen können. Unsicherheiten wie bei den letzten Haushaltsaufstellungen waren eine riesige Belastung für die Beschäftigten und Engagierten im Berliner Hilfesystem. Mein Ziel ist, dass sich dies in Zukunft nicht wiederholt.

Und auch strukturell müssen wir die Rahmenbedingungen verbessern. Die gesamtstädtische Steuerung der Unterbringung ist ein großer Sprung nach vorn und wird die sozialen Wohnhilfen entlasten und deren Hilfen deutlich verbessern. Zugleich muss diese gesamtstädtische Steuerung so ausgebaut werden, dass die ASOG-Einrichtungen2 vertraglich gebunden werden und Qualitätsstandards eine deutlich größere Rolle spielen. ASOG-Unterkünfte2 müssen mehr sein als Unterkünfte, hier muss es zuverlässig konkrete Hilfen durch Sozialarbeiter*innen geben.

Können Sie in einem Satz beschreiben, was sich für wohnungslose Menschen in Berlin konkret verändern würde, wenn Ihre Partei 2026 in Berlin ins Abgeordnetenhaus gewählt wird?
Die SPD stand in den letzten Jahren und steht auch in Zukunft dafür, dass in der Berliner Soziallandschaft nicht gekürzt wird. Mehr noch: Die SPD Berlin steht dafür, dass das Land Berlin in der ASOG-Unterbringung2 wieder als Akteur auftritt und neue Standards mit eigenen ASOG-Unterkünften2 setzt. Die SPD Berlin steht dafür ein, dass die Prävention und die Unterstützung von wohnungs- und obdachlosen Menschen wieder ein Thema für alle deutschen Kommunen wird.

Taylan Kurt, Sprecher für Sozialpolitik und Armutsbekämpfung

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation für wohnungslose Menschen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Die Situation für wohnungslose und vor allem obdachlose Menschen hat sich in den letzten Jahren maximal zugespitzt. Es reicht der einfache Blick auf die Straße. Wer mit der U-Bahn oder im öffentlichen Raum unterwegs ist, sieht zunehmend Menschen, die im öffentlichen Raum schlafen müssen. Auch die Zahlen der Unterbringung über ASOG2, also im Wohnheim, zeichnen genau das gleiche Bild. Wir steuern auf 100.000 untergebrachte Menschen zu – eine Großstadt wie Cottbus.

Dazu kommt noch der Zustand vieler Menschen auf der Straße. Viele Menschen leiden an psychischen und körperlichen Beschwerden und brauchen dringend Ruhe und Erholung. Aus vielen Gesprächen weiß ich, was auch das veränderte Angebot an Drogen mit der Gesundheit der Betroffenen macht. Crack und Fentanyl sind auf dem Vormarsch und zerstören zusehends Menschen vor unseren Augen. Für uns in Berlin-Mitte steht der Leopoldplatz sinnbildlich für die Entwicklungen und auch Überforderungen des Systems.

Welche Ansätze verfolgt Ihre Partei in Berlin im Umgang mit Wohnungslosigkeit und welche Ziele verfolgen Sie dabei?
Zuallererst wollen wir den Wettkampf um Verdrängung und Verurteilung nicht mitmachen. Wir sehen die Probleme am Berliner Wohnungsmarkt, wie schwer es für fast alle Menschen ist, sich mit günstigem Wohnraum zu versorgen. Wir verstehen daher, dass vor allem der Wohnungsmarkt aus der Schieflage geholt werden muss. Mit unserem Bezahlbare-Mieten-Gesetz haben wir einen konkreten Vorschlag zur Dämpfung der Mieten und gerechteren Verteilung der Wohnungen gemacht. Von den aktuell circa 80.000 untergebrachten Menschen brauchen die meisten nur eine Wohnung. Allen anderen wollen wir gute Angebote machen können. Mit reformierten Hilfen nach §671, einem größeren Wohnungskontingent für Wohnungsnotfälle und einer Unterbringung in Wohnheimen, die auf Qualität und nicht auf Profit setzt.

Wir haben mit der Fraktion auch ein Papier zur Beendigung der Obdachlosigkeit bis 2030 vorgelegt. Eine Stadt von fast 4 Millionen Menschen muss doch in der Lage sein, diese Menschen gut versorgen zu können.

Welche Bedeutung haben unterschiedliche Unterstützungsangebote (z. B. Unterbringung, Prävention, Beratung) in Ihrem Konzept?
Wir wollen einen Dreiklang in der Bearbeitung der Wohnungsnot anstimmen: Prävention, gute Versorgung und vor allem schnellstmögliche Vermittlung in echten Wohnraum. Durch gute präventive Arbeit der Sozialen Wohnhilfen und Angebote in der Nachbarschaft, wollen wir Menschen mit Mietschulden oder gar Kündigung dabei unterstützen, ihre Wohnung zu halten. Familien sollen gar nicht mehr ohne Ersatzwohnraum gekündigt werden. Schon heute sind zu viele Kinder in den Wohnheimen.

Wenn jemand dann doch wohnungslos wird oder bereits ist, wollen wir zumindest die Standards in den Unterbringungen anheben. Dem Profit mit der Unterbringung sagen wir den Kampf an. Nicht alle untergebrachten Menschen brauchen intensive Unterstützung. Aber allen hilft ein kompetenter Ansprechpartner und Beratung vor Ort. Die Zugänge zu den Maßnahmen nach §671 wollen wir erleichtern und ggf. auch Familienhilfe gleichzeitig ermöglichen.

Im Fokus aller Hilfen soll aber die Vermittlung in Wohnraum stehen. Housing First soll für alle gelten. Das bereits etablierte Housing First Angebot wollen wir in die Regelfinanzierung überführen und damit gezielt gegen Obdachlosigkeit vorgehen.

Wie möchten Sie auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen wohnungsloser Menschen eingehen (z. B. Frauen, junge Menschen, EU-Bürger)?
Als Berliner Grüne weisen wir seit Jahren auf die Veränderungen im Bereich hin. Das klassische Bild des bärtigen Obdachlosen gibt es kaum noch. Wer heute in ein Wohnheim für wohnungslose Menschen geht, der sieht Kinder spielen, der sieht Frauen auf den Fluren und hört vor allem sehr viele Sprachen. Berlin ist eine internationale Stadt und viele Menschen werden auch mit falschen Versprechungen nach Berlin gelockt. Wir wollen allen helfen, die in Berlin ihr Zuhause begründen wollen. Mit dem Housing First für Frauen haben wir bereits vor fast 10 Jahren ein spezielles Projekt gegründet. Bereits damals waren die Veränderungen zu sehen. Auch die 24/7 Notübernachtung für Frauen wurde in unserer Regierungszeit angestoßen. Wir brauchen diese Schutzräume für Frauen, Kinder oder queere Personen. Wohnheime sind selten gesunde Orte. Notwendig ist für Berlin ein Landesunterbringungsgesetz, das gesetzliche Kriterien vorsieht für die Unterbringung zielgruppenspezifischer Bedarfe und Unterkünfte damit es nicht von der Freiwilligkeit des Wohnungsheimbetreibers abhängt, ob jemand gut versorgt ist. Das ASOG2 reicht dafür als gesetzliche Grundlage nicht aus.

Welche Ansätze sehen Sie für langfristige Wohnperspektiven für ehemals wohnungslose Menschen (z.B. Housing First, betreutes Wohnen, Tiny Houses etc.)?
Wir wollen neuen Wohnraum schaffen durch den Ausbau des geschützten Marktsegments und haben dafür einen Plan vorgelegt. Daneben brauchen wir den gesamten Instrumentenkasten und dafür auch eine Flexibilisierung der Hilfen nach §671. Mit diesem Instrument werden jährlich die meisten wohnungslosen Menschen wieder in Wohnungen vermittelt und es kann auch einigen Spielraum für kreative Lösungen beinhalten. Das Konzept des Housing First wollen wir in diese Hilfen verstetigen. So schnell wie möglich in die eigene Wohnung. Nur so können die weiteren Problemlagen sicher und nachhaltig angegangen werden.

Welche finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen halten Sie dafür für notwendig?
Wir stehen vor großen strukturellen Herausforderungen bei der Finanzierung des Haushaltes. Die aktuelle schwarz-rote Koalition hat alle Rücklagen aufgebraucht und in den letzten Jahren insbesondere die Einnahmenseite ignoriert. Dazu kommt auf Bundesebene ein massiver Widerstand der gleichen Koalition gegen dringend notwendige Schritte in Fragen der Besteuerung großer Vermögen, Erben und Kapitaleinkünften. Wir müssen daher im Land zum einen die Einnahmenseite verbessern und gleichzeitig aufhören mit Hochglanz-Geldverbrennungsvorhaben wie den Olympischen Spielen. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass der Bund die strukturellen Rahmenbedingungen verändert und endlich für eine nachhaltige Finanzierung unseres Sozialstaates sorgt.

Für unseren Bereich müssen wir die Kosten bei der Unterbringung von wohnungslosen Menschen in den Griff bekommen. Wir wissen um den Profit mit der Not, das wollen wir beenden. Berlin gibt bis zu 400 Mio Euro für die Unterbringung in häufig sehr schlechten Wohnheimen aus. Wenn wir alleine 50 Mio Euro davon in sinnvolle präventive und vermittelnde Maßnahmen umwidmen könnten, wäre vielen Menschen geholfen.

Können Sie in einem Satz beschreiben, was sich für wohnungslose Menschen in Berlin konkret verändern würde, wenn Ihre Partei 2026 in Berlin ins Abgeordnetenhaus gewählt wird?
Wir werden zuhören, die betroffenen Menschen wieder ernst nehmen und die Strukturen, die in Wohnungslosigkeit führen, bekämpfen. Wir haben mit zahlreichen Anträgen im Abgeordnetenhaus einen Plan vorgelegt, wie in Berlin Wohnungs- und Obdachlosigkeit überwunden werden kann und wollen diese in der Regierung umsetzen.

Katina Schubert, Sprecherin für Soziales

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation für wohnungslose Menschen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Laut offiziellen Zahlen lebten 2024 fast 56.000 Menschen in Berlin ohne eigene Wohnung – 47.000 in Unterkünften, über 6.000 ganz ohne Dach über dem Kopf und fast 2.400 verdeckt wohnungslos. Darunter: mehr als 15.000 Kinder und Jugendliche. Und das sind nur die, die wir zählen können. Die Realität ist noch härter. Was mich besonders wütend macht: Gleichzeitig stehen Millionen Quadratmeter Bürofläche leer, während der CDU-SPD-Senat die Mieten in die Höhe treibt. Die größten Herausforderungen? Das Fehlen bezahlbarer Wohnungen ist das Fundament des Problems, doch genauso zermürbend ist, dass das Hilfesystem zersplittert ist, dass Menschen nicht wissen, wo sie Unterstützung finden, und dass Behörden mit Personal und Digitalisierung hoffnungslos überfordert sind. Wer auf der Straße lebt, kämpft täglich um Würde und das darf in einer reichen Stadt wie Berlin nicht sein.

Welche Ansätze verfolgt Ihre Partei in Berlin im Umgang mit Wohnungslosigkeit und welche Ziele verfolgen Sie dabei?
Unser Leitmotiv ist klar: Housing First – erst die Wohnung, dann alles andere. Das ist kein Wunschtraum, das ist ein nachweisbar funktionierendes Konzept. Als Die Linke zuletzt in Berlin Regierungsverantwortung trug, haben wir diesen Paradigmenwechsel angestoßen mit fast 90 Prozent Verbleibsquote in den neuen Wohnungen. Das Gegenteil – Menschen jahrelang in ASOG- Einrichtungen2 parken – ist teurer, unwürdiger und löst gar nichts. Deshalb fordern wir: Housing First muss zum Standard der Berliner Wohnungslosenhilfe werden. Wir wollen die Strategiekonferenz zur Wohnungslosenhilfe als ständige Einrichtung wiederherstellen, in der Verwaltung, Sozialverbände und die Selbstorganisation der Betroffenen gemeinsam an der Überwindung von Wohnungslosigkeit bis 2030 arbeiten. Drei Säulen tragen unser Konzept: schnelle und unbürokratische Unterstützung, Wohnen und Arbeit oder Zugang zu Bildung. Damit wollen wir Menschen den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Welche Bedeutung haben unterschiedliche Unterstützungsangebote (z. B. Unterbringung, Prävention, Beratung) in Ihrem Konzept?
Prävention kommt zuerst: denn die billigste und menschlichste Lösung ist, Wohnungslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Deshalb wollen wir aufsuchende Hilfen für Menschen, die akut von Wohnungsverlust bedroht sind, noch in ihrer eigenen Wohnung. Räumungen in die Wohnungslosigkeit lehnen wir grundsätzlich ab. Wir wollen prüfen, ob räumungsbedrohte Menschen wieder in Wohnungen eingewiesen werden können.

Für die Beratung wollen wir eine zentrale soziale “Hilfe Hotline” schaffen, weil viele Menschen schlicht nicht wissen, welche Unterstützung für sie existiert. Die aufsuchende Straßensozialarbeit wird ausgebaut – gerade für die, die schwer erreichbar sind. Die sozialen Wohnhilfen in den Bezirken brauchen dringend mehr Personal und bessere digitale Verfahren. Und flächendeckend in allen Bezirken wollen wir Clearingstellen einrichten, die sich unabhängig von Jobcentern um den ganzen Menschen kümmern: Wohnungsprobleme, Schulden, Sucht, Gesundheit – alles zusammen, freiwillig und ohne Sanktionsdruck.

Bei der Unterbringung: Die ganzjährigen 24/7-Unterkünfte, in denen Menschen erst mal zur Ruhe kommen können, werden wir ausbauen. Die Kältehilfe sichern wir ab und entwickeln sie zur “Kältehilfe plus” weiter, mit echten Beratungs- und Hilfsangeboten. Ein Teil der Kältehilfeplätze soll auch in der warmen Jahreszeit geöffnet bleiben – denn Obdachlosigkeit endet ja nicht im April. Und wir wollen “Safe Places” schaffen, weil die Straße kein sicherer Ort ist.

Wie möchten Sie auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen wohnungsloser Menschen eingehen (z. B. Frauen, junge Menschen, EU-Bürger)?
Frauen sind auf der Straße besonders schutzlos. Es fehlt an ausreichend sicheren, geeigneten Unterkünften und an Schutzräumen vor Gewalt. Wir fordern den Ausbau niedrigschwelliger Beratungsstellen und geschützter Räume speziell für Frauen, auch für drogenabhängige Frauen und Frauen ohne europäischen Pass, die das System bisher oft komplett vergisst. Für Frauen mit Suchtmittelabhängigkeiten braucht es suchtakzeptierende Angebote.

Wohnungslose Familien mit Kindern müssen als erstes in Wohnungen vermittelt werden. Wenn gerade keine verfügbar sind, brauchen sie aber spezialisierte ASOG-Unterkünfte2 mit ausreichend Personal für Beratung und Begleitung. Wir wollen eine Quote einführen, damit Familien beim geschützten Marktsegment (Jetzt geschützter Wohnungsmarkt) prioritär vermittelt werden.

Bei jungen Menschen setzen wir auf offene Jugendhilfe, auf Orte ohne Konsumzwang, auf Unterstützung ohne Stigma.

Für EU-Bürger*innen und Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus fordern wir Fachberatungsstellen zur Wohnungssuche unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Niemand darf einfach zurückgelassen werden, weil er den falschen Pass hat.

Welche Ansätze sehen Sie für langfristige Wohnperspektiven für ehemals wohnungslose Menschen (z.B. Housing First, betreutes Wohnen, Tiny Houses etc.)?
Das Ziel ist immer eine eigene Wohnung – selbstbestimmt, sicher, dauerhaft. Housing First ist dafür der überzeugendste Weg: Wohnung zuerst, dann Stabilisierung, nicht umgekehrt. Die Ergebnisse sprechen für sich. Tiny Houses können ein sinnvoller Übergang sein. Sie bieten Würde, Schutz vor Witterung und Sicherheit. Aber sie sind keine Dauerlösung, und wer sie als solche verkauft, verschleiert das eigentliche Problem. Ein verantwortungsbewusster Senat unterstützt solche Übergangslösungen und schafft gleichzeitig die Voraussetzungen, Housing First so schnell wie möglich flächendeckend umzusetzen.

Für den Weg dahin braucht es mehr: Das geschützte Marktsegment, neu den geschützten Wohnungsmarkt, wollen wir auf 2.500 Wohnungen pro Jahr verdoppeln. Zehn Prozent der neu- und wiedervermieteten landeseigenen und geförderten Wohnungen sollen an Menschen in besonderen Wohnungsnotlagen gehen. Die Erprobungsklausel in der AV-Wohnen wollen wir konsequent einsetzen und bekannt machen – sie ermöglicht es, Menschen direkt in Wohnungen zu vermitteln, wenn die Miete günstiger ist als eine Gemeinschaftsunterkunft. Das spart Geld und gibt Würde zurück.

Welche finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen halten Sie dafür für notwendig?
Housing First ist nicht nur wirksamer, es ist auch wirtschaftlicher als jede ordnungsrechtliche Unterbringung. Die kostet teilweise doppelt so viel wie ein eigenes Mietverhältnis. Mittel, die heute in Housing First investiert werden, sparen morgen Ausgaben für Notübernachtungen, Gesundheitskosten und andere Folgekosten. Das muss endlich im Haushalt Niederschlag finden. Voraussetzung für ein flächendeckendes Housing First ist aber, dass auch genug bezahlbare Wohnungen vorhanden sind.

Deshalb werben wir für ein massives kommunales Wohnungsbauprogramm, für einen landeseigenen Mietendeckel, um die Mietenspirale nach unten zu drehen und die Erweiterung des kommunalen Wohnungsbestands durch die Vergesellschaftung von allen Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen.

Strukturell brauchen wir: mehr Personal in den sozialen Wohnhilfen der Bezirke, bessere digitale Verfahren, den Abbau von Doppelstrukturen ohne den Abbau von Leistungen, und eine klare bereichsübergreifende Koordination zwischen Wohnungs-, Sozial-, Gesundheits- und Beschäftigungspolitik. Wir wollen zwei Versorgungszentren für obdach- und wohnungslose Menschen finanzieren, in denen speziell geschulte Ärztinnen, Pflegerinnen, Therapeutinnen und Sozialarbeiterinnen tätig sind – weil medizinische Versorgung kein Luxus ist. Die Kältehilfe muss dauerhaft gesichert und qualitativ weiterentwickelt werden. Und die Stadtteilsorgezentren, die wir als niedrigschwellige Anlaufstellen in jedem Kiez schaffen wollen, sollen auch für obdachlose Menschen und Menschen ohne Krankenversicherung offenstehen.

Können Sie in einem Satz beschreiben, was sich für wohnungslose Menschen in Berlin konkret verändern würde, wenn Ihre Partei 2026 in Berlin ins Abgeordnetenhaus gewählt wird?
Wenn Die Linke am 20. September 2026 ins Abgeordnetenhaus einzieht, werden wir dafür kämpfen, dass kein Mensch mehr in Berlin auf der Straße schlafen muss, weil Housing First endlich zum Standard wird, mehr Wohnungen für Menschen in Not bereitstehen und Würde keine Frage des Geldbeutels ist.

Stéphanie Weber, Presse & Digitale Medien

Die aktuelle Situation in Berlin bewerten wir weiterhin als große Herausforderung, da der Druck auf den Wohnungsmarkt und die soziale Infrastruktur unvermindert hoch bleibt. Unser Ziel als Regierungspartei ist es daher, bestehende Hilfesysteme zu verstetigen und dort zu optimieren, wo Bedarfe aktuell noch nicht vollständig gedeckt werden können. Dabei setzen wir auf einen integrierten Ansatz, der die Prävention zur Vermeidung von Wohnungsverlust ebenso gewichtet wie beratende Angebote und eine menschenwürdige Unterbringung.

Besonderes Augenmerk legen wir auf die Ausdifferenzierung der Angebote, um den spezifischen Bedürfnissen verschiedener Gruppen – etwa Frauen, Familien oder Menschen mit besonderen psychosozialen Problemen – besser gerecht zu werden. Hierbei unterstützen wir auch alternative und niedrigschwellige Ansätze, um den Zugang zum Hilfesystem zu erleichtern. Langfristig verfolgen wir das Ziel, durch eine enge Verzahnung von Wohnungsbau, sozialen Trägern und Verwaltung nachhaltige Wohnperspektiven zu schaffen und bewährte Konzepte wie Housing First bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.

Um dies strukturell abzusichern, setzen wir uns für verlässliche Rahmenbedingungen und eine effiziente Mittelverwendung ein, die den Trägern vor Ort die notwendige Planungssicherheit gibt. Sollte die CDU auch über das Jahr 2026 hinaus Regierungsverantwortung tragen, wird sich für wohnungslose Menschen in Berlin konkret verändern, dass sie durch ein weiterentwickeltes und bedarfsgerechtes Hilfesystem noch schneller und zielgerichteter Unterstützung sowie dauerhafte Perspektiven auf dem Weg zurück in eigenen Wohnraum erhalten.

Jeannette Auricht, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und fachpolitische Sprecherin für Arbeit, Soziales und Gleichberechtigung

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation für wohnungslose Menschen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Die Lage wohnungsloser Menschen in Berlin hat sich in den letzten Jahren weiter zugespitzt. Besonders auffällig ist, dass zunehmend auch Frauen, Jugendliche und Kinder betroffen sind. Zugleich ist der Anteil nichtdeutscher Staatsangehöriger unter den Obdachlosen überproportional hoch – sowohl EU-Bürger, insbesondere aus Mittel- und Osteuropa, als auch Menschen aus Nicht-EU-Staaten ohne gültigen Aufenthaltstitel, deren Zahl bundesweit zuletzt um 14 Prozent gestiegen ist.

Die Ursachen sind vielschichtig: massiver Mangel an bezahlbarem Wohnraum und sozialem Wohnungsbau, Armut bzw. Armutsmigration, Ausbeutung, psychische Erkrankungen und Suchtbiografien.

Die größten Herausforderungen sind der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, zu schwache Prävention bei Miet- und Energieschulden, zu wenige geschützte Plätze für Frauen, Jugendliche und Familien mit Kindern, die strukturelle Überforderung der Hilfesysteme durch Betroffene ohne Sozialleistungsanspruch und das Fehlen verbindlicher Wege zurück in Arbeit und eigenständiges Wohnen.

Statt dauerhafter Verwahrung setzen wir deshalb auf präventionsorientierte, pragmatische und koordinierte Lösungen, die diese Ursachen angehen.

Welche Ansätze verfolgt Ihre Partei in Berlin im Umgang mit Wohnungslosigkeit und welche Ziele verfolgen Sie dabei?
So komplex die Ursachen sind, so umfassend müssen die Ansätze sein. Unsere Strategie für Berlin verzahnt vier Säulen – Prävention, Akuthilfe, Reintegration und Ordnungspolitik:

Die AfD Berlin setzt auf einen realistischen und ergebnisorientierten Ansatz:

  • Bauen massiv erleichtern und entschlacken, um schnell bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
  • Prävention: Mietverhältnisse durch frühzeitige Beratung und Schuldnerhilfe proaktiv sichern.
  • Akuthilfe: menschenwürdige, ganzjährige Unterstützung für Menschen auf der Straße.
  • Konsequente Rückführung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus.
  • Nachhaltige Rückkehr- und Reintegrationsprogramme für obdachlose EU-Bürger in Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern sowie Unterstützung bei freiwilliger Rückkehr und sozialer Eingliederung im Heimatland.
  • Struktur und Perspektive für alle Betroffenen durch klare Regeln, Mitwirkungspflicht und wirksame Hilfsprojekte. Vermittlung in eigenen Wohnraum (u. a. nach dem Housing-First-Prinzip)

Ziel ist eine spürbare und nachhaltige Reduzierung der Wohnungslosigkeit durch Ursachenbekämpfung statt reiner Symptomverwaltung.

Welche Bedeutung haben unterschiedliche Unterstützungsangebote (z. B. Unterbringung, Prävention, Beratung) in Ihrem Konzept?
In unserem Konzept nehmen die unterschiedlichen Unterstützungsangebote eine strategische Schlüsselrolle ein – vorausgesetzt, sie werden zielgerichtet und effizient eingesetzt. Prävention hat oberste Priorität, um durch frühzeitige Hilfe bei Mietschulden und drohender Verdrängung den Wohnungsverlust abzuwenden. Die Unterbringung gestalten wir menschenwürdig, betrachten sie aber als temporäre Brücke und nicht als Dauerlösung.

Unsere Beratungsangebote sind konsequent auf Integration in den Arbeitsmarkt und – wo sinnvoll – auf die Rückkehr in die Heimatländer ausgerichtet. Wir setzen auf messbare Erfolge statt auf eine bloße Betreuung im Rahmen einer Gießkannen-Politik, um eine echte und nachhaltige Stabilisierung der Betroffenen zu erreichen.

Wie möchten Sie auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen wohnungsloser Menschen eingehen (z. B. Frauen, junge Menschen, EU-Bürger)?
Wir gehen differenziert vor und orientieren uns strikt an spezifischen Bedarfen sowie am rechtlichen Status der Betroffenen:

  • Frauen und junge Menschen erhalten besonderen Schutz durch geschützte Unterkünfte sowie spezielle Förder- und Ausbildungsprogramme.
  • EU-Bürger unterstützen wir durch freiwillige, rückkehrorientierte Beratung und nachhaltige Reintegrationsprogramme in enger Kooperation mit den Herkunftsländern sowie etablierten Hilfsorganisationen und Programme (wie BARKA)
  • Drittstaatsangehörige ohne gültigen Aufenthaltstitel – Menschen in aufenthaltsrechtlicher Illegalität – werden in ihre Herkunftsländer zurückgeführt; freiwillige Rückkehr wird über das etablierte Bund-Länder-Programm REAG/GARP finanziell und organisatorisch unterstützt. So kommt freiwerdender Wohnraum direkt bedürftigen Berlinern zugute.

Bei allen Gruppen gilt unser “Prinzip von Fördern und Fordern”: Hilfe wird mit klaren Anforderungen an Mitwirkung und persönliche Strukturierung verknüpft.

Welche Ansätze sehen Sie für langfristige Wohnperspektiven für ehemals wohnungslose Menschen (z. B. Housing First, betreutes Wohnen, Tiny Houses etc.)?
Langfristige Wohnperspektiven entstehen nicht durch kurzfristige Belegung, sondern durch die nachhaltige Absicherung von Mietverhältnissen. Wir setzen auf einen Mix aus Housing First, betreutem Wohnen und modularen Lösungen wie Tiny Houses – als Puzzleteile eines Gesamtkonzepts mit klaren Regeln und Mitwirkungspflichten.

Für Menschen mit Sucht- oder Schuldenproblematik verbinden wir den Wohnraum mit verbindlicher sozialarbeiterischer und medizinischer Begleitung – von der aufsuchenden Beratung über qualifizierten Entzug und Entwöhnung bis zur Nachsorge – in enger Kooperation mit Suchtberatungsstellen, Fachkliniken und Selbsthilfegruppen. Flankiert wird dies durch eine begleitende Schuldnerberatung sowie, wo sinnvoll, durch Treuhandmodelle bei Mietzahlungen, die Mieter vor Wohnungsverlust bewahren und Vermietern Planungssicherheit geben.

Welche finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen halten Sie dafür für notwendig?
Um eine echte Wende in der Obdachlosenhilfe zu erreichen, ist eine konsequente, bedarfsgerechte Priorisierung der Ressourcen notwendig:

  • Strukturell: drastische Reduzierung von Bauvorschriften und Genehmigungsverfahren (Bau-Turbo), rechtliche Stärkung der Prävention, schnellere Flächenausweisung sowie konsequente Durchsetzung des Aufenthaltsrechts. Letzteres betrifft nicht nur EU-Bürger ohne Erwerbsgrundlage, sondern insbesondere Drittstaatsangehörige in aufenthaltsrechtlicher Illegalität, bei denen eine Rückführung oder freiwillige Rückkehr rechtlich geboten ist. Nur so lassen sich die begrenzten Kapazitäten für jene sichern, denen die Solidargemeinschaft zur Hilfe verpflichtet ist.
  • Finanziell: Umschichtung der Mittel weg von Fehlanreizen und der teuren Verwaltung illegaler Zuwanderung hin zum Bau von Sozialwohnungen und zur gezielten Integration ehemals wohnungsloser Berliner.

Notwendig ist ein politisches Handeln, das aufhört, den Mangel zu verwalten, und stattdessen die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für echte Eigenständigkeit schafft.

Können Sie in einem Satz beschreiben, was sich für wohnungslose Menschen in Berlin konkret verändern würde, wenn Ihre Partei 2026 in Berlin ins Abgeordnetenhaus gewählt wird?
Wenn die AfD 2026 in Berlin Regierungsverantwortung übernimmt, erhalten wohnungslose Menschen mehr Struktur, klare Perspektiven und wirksame Hilfe: durch einen Bau-Turbo entsteht schnell bezahlbarer Wohnraum, Prävention wird konsequent gestärkt, Akuthilfe bleibt temporär, Personen ohne Aufenthaltsrecht werden zurückgeführt und erfolgreiche Projekte wie Housing First werden mit Mitwirkungspflicht und verbindlicher Arbeitsmarktintegration ausgebaut. Statt Symptomverwaltung setzen wir auf Ursachenbekämpfung nach dem Prinzip Fördern und Fordern.

Alexander King, Ko-Landesvorsitzender

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation für wohnungslose Menschen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Die Berliner Situation mit ca. 25.000 Wohnungslosen in Berlin ist dramatisch und verschärft sich weiterhin durch den Verzug im bezahlbaren Wohnungsneubau und fehlender Mietenregulierung und durch krisenbedingte Bevölkerungszunahme.

Welche Ansätze verfolgt Ihre Partei in Berlin im Umgang mit Wohnungslosigkeit und welche Ziele verfolgen Sie dabei?
Die Wohnungsvergabe und Unterbringung müssen zielgerichteter koordiniert werden. Die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften werden zu Quoten verpflichtet. Leerstehende Unterkünfte für Asylsuchende werden zur Unterbringung von Obdach- und Wohnungslosen mit herangezogen. Kirchen, andere freie Träger und Genossenschaften müssen sich zu ihrer sozialen Verantwortung bekennen und verpflichtet werden, ihren Teil zum Konzept des Housing First beizutragen. Die Gründung von zweckgebundenen Stiftungen könnte dabei helfen, den Aus- bzw. Umbau von passenden Wohnungen zu realisieren (z.B. von leerstehenden Büro- und Gewerbeflächen). Die Vergabe von städtischen Grundstücken im Erbbaurecht sollte nach zielführenden Kriterien geschehen. Denkbar wäre eine Verpflichtung, günstig zu bauen, damit sich Geringverdiener, Familien, alte Menschen, Azubis und Studenten die Miete leisten können und mittels Quote auch Obdachlose/Wohnungslose versorgt werden können. Das Land muss alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um auch bei privaten Vermietern mit großen Wohnungsbeständen mehr Belegungsrechte wahrnehmen zu können. Spekulativer Leerstand, Mietwucher und Zweckentfremdung müssen endlich konsequent bekämpft werden durch mehr Finanzmittel und Personalaufstockung! Der erfolgreiche Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer privater Wohnungskonzerne muss umgesetzt werden. Er würde dem Land neue Möglichkeiten bieten, die allgemeine Wohnungsnot zu lindern und dabei auch Wohnungs- und Obdachlosen eine Chance auf ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Welche Bedeutung haben unterschiedliche Unterstützungsangebote (z.B. Unterbringung, Prävention, Beratung) in Ihrem Konzept?
Das BSW unterstützt die Wohnungslosenstiftung, die Berliner Kältehilfe und setzt sich für Ausweitung von bezirklichen Angeboten wie niedrigschwelligen Treffpunkten für Wohnungs- und Obdachlose ein.

Wie möchten Sie auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen wohnungsloser Menschen eingehen (z. B. Frauen, junge Menschen, EU-Bürger)?
Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Obdachlosen muss so weit als möglich Rücksicht genommen werden. So unterschiedlich wie bei allen anderen Menschen. Die Angebote für die jeweiligen Betroffenengruppen müssen finanziell wie auch räumlich gestärkt werden. Wir unterstützen Organisationen aus den Herkunftsländern, die obdachlose EU-Bürger, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, das aber finanziell nicht stemmen können oder zuhause keine Perspektive für sich sehen, begleiten und ihnen bei der Re-Integration helfen.

Welche Ansätze sehen Sie für langfristige Wohnperspektiven für ehemals wohnunglose Menschen (z.B. Housing First, betreutes Wohnen, Tiny Houses etc.)?
Wir fordern erweiterte Belegungsrechte des Landes und der Bezirke bei der Vergabe freiwerdender Wohnungen, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor. Massiver Ausbau und entsprechende Fördermittel für Housing-First- Maßnahmen!

Welche finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen halten Sie dafür für notwendig?
Keine Sparpolitik bei sozialen Diensten und Einrichtungen sowie Trägern der Wohlfahrtsverbände und Bildungsträgern. Diese werden mehr denn je gebraucht, um die größer werdende Zahl der Armutsbetroffenen und Arbeitslosen mit konkreten Maßnahmen zu beraten und zu unterstützen. Wir fördern direkte Hilfsangebote wie finanzielle Hilfen, Lebensmittel, Kleidung oder Unterstützung bei der Wohnungssuche. Die rechtliche und psychologische Betreuung bei gleichzeitiger Verringerung bürokratischer Hürden muss gewährleistet werden. Diese Angebote sind insbesondere zur Prävention von Suchtkrankheiten und Wohnungslosigkeit einzusetzen. Wohnungslosigkeit ist Ausdruck struktureller Fehlentwicklungen und im Normalfall kein persönliches Versagen. Zur Überwindung setzen wir auf frühzeitige Prävention bei Mietrückständen und Wohnungsverlust, auf die konsequente Umsetzung von Housing-First-Ansätzen, auf den Ausbau von Not- und Übergangsunterkünften mit menschenwürdigen Standards, auf verlässliche soziale Begleitung und Beratung, darunter psychosoziale Beratungsangebote. Wir wollen Wohnungslosigkeit verhindern, nicht verwalten.

Können Sie in einem Satz beschreiben, was sich für wohnungslose Menschen in Berlin konkret verändern würde, wenn Ihre Partei 2026 in Berlin ins Abgeordnetenhaus gewählt wird?
Neuer Anlauf für ein entschlosseneres Housing First!

Christoph Meyer, Landesvorsitzender

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation für wohnungslose Menschen und wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Die Lage ist angespannt und in vielen Fällen unwürdig. Berlin hat nicht nur ein Problem fehlender Unterkünfte, sondern vor allem ein Problem fehlender Perspektiven. Wer dauerhaft zwischen Straße, Notunterkunft, Klinik, Polizei und Ordnungsamt pendelt, wird nicht stabilisiert. Die größte Herausforderung ist deshalb, Obdachlosigkeit nicht nur zu verwalten, sondern Menschen wieder in ein selbst bestimmtes Leben zu bringen. Dazu braucht es weniger Bürokratie, und einen Wohnungsmarkt, der wieder mehr Wohnraum schafft. Gerade im sozialen Bereich bindet Bürokratie viel zu viel Arbeitszeit, die eigentlich den betroffenen Menschen zugutekommen müsste. Die zunehmende Obdachlosigkeit und die damit einhergehenden Begleiterscheinungen im öffentlichen Raum sind zunehmend auch eine Belastung für die Allgemeinheit. Die beschriebenen sind aus unserer Sicht daher nicht nur allein im Sinne unmittelbar Betroffenen zu lösen, sondern im Sinne aller Menschen, die sind in unserer Stadt bewegen.

Welche Ansätze verfolgen Sie in Berlin im Umgang mit Wohnungslosigkeit und welche Ziele verfolgen Sie dabei?
Unser Ziel ist klar: Es darf keine unfreiwillige Obdachlosigkeit geben. Dafür setzen wir auf Hilfe zur Selbsthilfe, auf individuelle Reintegration und auf mehr reale Wohnperspektiven. Housing First ist dabei ein zentrales zusätzliches Instrument. Wer zuerst eine stabile Wohnung bekommt, hat bessere Chancen, gesundheitliche, soziale oder berufliche Probleme überhaupt geordnet anzugehen. Das ist menschlicher und am Ende auch wirtschaftlich vernünftiger, weil Notunterkünfte, Akutbehandlungen, Polizeieinsätze und Ordnungsmaßnahmen reduziert werden können.

Gleichzeitig muss Berlin mehr Wohnraum schaffen. Dazu gehören schnellere Genehmigungen, weniger Bauvorschriften, digitale Verfahren, Nachverdichtung, Dachausbau, Umnutzung leerstehender Gewerbeflächen und eine aktivere Nutzung landeseigener Flächen. Ohne mehr Wohnungen bleibt jede Sozialpolitik im Wohnungsbereich eine Mangelverwaltung.

Welche Bedeutung haben unterschiedliche Unterstützungsangebote wie Unterbringung, Prävention und Beratung in Ihrem Konzept?
Alle drei Ebenen sind notwendig, aber sie dürfen nicht isoliert nebeneinanderstehen. Akute Unterbringung bleibt als Schutz vor unmittelbarer Not wichtig. Sie darf aber nicht zur dauerhaften Endstation werden. Prävention ist entscheidend, damit Menschen gar nicht erst ihre Wohnung verlieren. Dazu gehört, geförderten Wohnraum zielgenauer denjenigen zugänglich zu machen, die ihn wirklich brauchen, insbesondere Menschen mit besonderem Wohnbedarf.

Beratung muss praktisch, individuell und niedrigschwellig sein. Digitale Verfahren können dabei helfen, Fachkräfte von unnötiger Verwaltung zu entlasten, damit mehr Zeit für direkte Unterstützung bleibt. Sozialpolitik soll nicht entmündigen, sondern Menschen wieder handlungsfähig machen.

Wie möchten Sie auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen wohnungsloser Menschen eingehen, etwa Frauen, junge Menschen oder EU-Bürgerinnen und EU-Bürger?
Wohnungslosigkeit hat unterschiedliche Ursachen, deshalb braucht es unterschiedliche Antworten. Bei jungen Menschen ist es entscheidend, den Weg in Ausbildung, Arbeit und Eigenständigkeit zu öffnen. Wir wollen mehr junge Menschen zur Ausbildungsreife begleiten und günstigen Wohnraum für Auszubildende schaffen. Das ist auch Wohnungslosigkeitsprävention.

Für Frauen ist es besonders wichtig, Schutz, Beratung und wirtschaftliche Selbstständigkeit zusammenzudenken. Wir setzen auf bessere Qualifizierungsmöglichkeiten, gerade für Frauen im Niedriglohnbereich, damit sie aus Abhängigkeiten herauskommen und bessere Einkommensperspektiven erhalten.

Bei obdachlosen Menschen aus dem EU-Ausland muss ehrlich unterschieden werden. Nicht jeder, der in Berlin auf der Straße lebt, hat hier eine realistische Integrationsperspektive. Wer aus dem Ausland unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt wurde und in Berlin in eine Notlage geraten ist, soll die Möglichkeit erhalten, freiwillig und würdevoll in sein Herkunftsland zurückzukehren. Dafür soll Berlin einmalig einen Reisegutschein anbieten. Sollte sich dieser Fall wiederholen, kann auch die Freiwilligkeit wegfallen.

Welche Ansätze sehen Sie für langfristige Wohnperspektiven für ehemals wohnungslose Menschen, etwa Housing First, betreutes Wohnen oder Tiny Houses?
Housing First ist der wichtigste Ansatz. Er soll nicht alle anderen Hilfen ersetzen, sondern als zusätzliches Instrument eine stabile Grundlage schaffen. Eine eigene Wohnung ist oft die Voraussetzung dafür, dass Beratung, Therapie, Arbeitssuche oder Schuldnererklärung überhaupt greifen können.

Darüber hinaus sollen landeseigene Wohnungsbaugesellschaften Wohnraum für von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen bereitstellen. Das ist ein konkreter Hebel, weil vorhandene Bestände gezielt genutzt werden können. Tiny Houses und betreutes Wohnen stellen aus unserer Sicht sinnvolle Säulen innerhalb des Housing-First-Ansatzes dar.

Welche finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen halten Sie dafür für notwendig?
Nötig sind drei Dinge: erstens mehr Wohnraum, zweitens zielgenaue Förderung, drittens weniger Bürokratie. Berlin muss Bauen beschleunigen, Verfahren digitalisieren, die Landesbauordnung entschlacken und Baukosten senken. Jeder unnötige Standard, jede Verzögerung und jede politische Blockade verteuert Wohnen und verschärft am Ende auch Wohnungs- und Obdachlosigkeit.

Finanziell setzen wir auf zielgerichtete Unterstützung statt pauschaler Objektförderung. Geförderter Wohnraum muss denen zugutekommen, die ihn wirklich brauchen. Fehlbelegungen müssen reduziert werden und langfristig ist Wohngeld als Subjektförderung der bessere Weg, weil Menschen damit am Markt passende Wohnungen mieten können.

Strukturell müssen soziale Dienste von Bürokratie entlastet werden. Wenn Fachkräfte weniger Zeit mit Dokumentation und mehr Zeit mit Menschen verbringen, wird Hilfe wirksamer. Langfristig spart dieser Ansatz auch Kosten, ohne dass Hilfe wegfallen müsste.

Können Sie in einem Satz beschreiben, was sich für wohnungslose Menschen in Berlin konkret verändern würde, wenn Ihre Partei 2026 in Berlin ins Abgeordnetenhaus gewählt wird?
Wohnungslose Menschen würden in Berlin nicht länger nur verwaltet, sondern schneller in stabile Wohnverhältnisse, passende Hilfe und neue Eigenständigkeit gebracht. Damit beenden wir auch den zunehmenden Konflikt zwischen obdachlosen Menschen und dem Rest der Bevölkerung im öffentlichen Raum. Dieses Ziel hat Priorität.

Erläuterungen:

*1: 67er-Hilfen: Hilfen zur Überwindung sozialer Schwierigkeiten nach § 67 SGB XII, die darauf aufbauen, die Fähigkeiten hilfsbedürftiger Menschen zu erweitern. Auf diesem Wege sollen die Menschen, damit diese so selbständig wie möglich Wege aus der Wohnungsnot finden können.

*2: ASOG-Unterkünfte: Unterkünfte für Menschen, die auf der Straße leben und nach dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz übergangsweise ein Obdach erhalten sollen – z.B. Wohnungen oder Hotelzimmer. Da es keine allgemein geltenden Standards für diese Unterkünfte gibt, variieren die Zustände der Räume sehr.