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Meine Träume sind nicht übertrieben

Jurek verkauft den strassenfeger und sehnt sich nach den eigenen vier Wänden

Jurek Gerlach stammt aus Polen. Er wurde am 8. März 1963 in einem Ort im Beskidengebirge geboren. Er hatte neun Geschwister. Der Górale, wie man auf Polnisch einen Bergbewohner bezeichnet, liebte seit seiner Kindheit die Ostsee, also studierte er Schiffbau und arbeitete zwei Jahre als Ingenieur in der Werft von Gdynia.

In dieser Zeit lernte er seine Frau kennen. Als sie schwanger wurde, heirateten sie und zogen in die Stadt Łańcut ins Karpatenvorland, wo seine Frau eine Wohnung hatte. Dort übte Jurek mehrere Berufe aus: Er war Metzger und Koch, arbeitete sieben Jahre in einer Wodkafabrik, und danach als Industrieschornsteinbauer. „Die zweite Hälfte der 1980er – das war die schönste Zeit in meinem Leben“, erinnert er sich. „Es gab zwar wenig zu kaufen in den Geschäften, aber ich hatte Geld und konnte mir alles leisten.“ Weil sein letzter Job mit vielen Reisen verbunden war, war er selten zu Hause und konnte sich um seine Tochter und seinen Sohn nicht kümmern, womit seine Frau nicht einverstanden war.

Sie ließ sich von ihm scheiden. Nach der familiären und der politischen Wende 1989 endete Jureks geordnete Existenz. Er verlor seine Arbeit, schlug sich mehr schlecht als recht durch, bezog kurze Zeit Sozialhilfe, die ausreichte, „um die Wohnung zu bezahlen und eine Woche lang zu leben.“ Sein Freund, der ein Vierteljahr in Berlin verbrachte, überredete ihn, dort sein Glück zu suchen. „

Das war eine wahnsinnige Entscheidung, aber ich musste etwas mit mir machen, sonst ginge ich unter“, erklärt Jurek. „Ich hoffte, dass es nicht so schwer sein wird, in Berlin einen Job zu finden, denn ich kann vieles machen: kochen, Schornsteine bauen, Wohnungen renovieren.“ Wie die meisten Polen ist er handwerklich sehr geschickt, einer, den man in seinem Heimatland „złota rączka” – „Goldhändchen“ nennt.